Rasnov (Rumänien), Masters-Europameisterschaft im Berg- und Trail-Lauf
Gertrud räumt bei allen drei Läufen der EM ab
Die Festung Rasnov mit dem nahen Skigebiet liegen auf einer Höhe von 800 bis 1100 m. Nach der für sie erfolgreichen WM, wagte sich Gertrud hier an die EM mit Berglauf- und Trail-Meisterschaften, bei der an drei aufeinanderfolgenden Tagen jeweils ein anspruchsvoller Kurs angeboten wurde. Gertrud (Klasse W65) wollte natürlich bei allen drei Rennen starten, die sie wie folgt schildert.
Das erste Rennen am 11.9. war ein relativ kurzer Berglauf mit 3,7 km und 800 Höhenmetern (HM), gewürzt mit zwei Steilstücken bergab und am Ende einer Klettereinlage mit Hilfe der Hände zum felsigen Gipfel. Ich startete verhalten, schließlich wartete ein sehr steiler Skihang. Das war nicht klug, denn der war in den steilsten Teilen nur ein Single-Trail mit hohem Gras rechts und links. So stauten sich die schnelleren Starterinnen vor mir und ein Vorbeikommen war unmöglich. An der nächsten breiteren Stelle endlich vorbei und Aufholjagd bis an den Fuß des Gipfels! Dort wartete aber eine noch längere Läuferinnen-Schlange ohne Chance auf Positionswechsel… Platz 5 zum Auftakt, aber mit meinen deutschen Kameradinnen auf Platz 4 und 7 konnten wir W65-Team-Gold holen, ein toller Auftakt.
Am 12.9. wurden uns 40 km mit 2.000 HM als Langstreckenrennen „serviert“. Und diese Strecke toppte alle bislang gelaufenen! Der gestrige Berglauf war (mit 10 km Anlauf) wieder eingebaut. Diesmal zwar ohne Stau, dafür mit brisantem Gegenverkehr am eisernen Geländer, an das sich so manche ängstlich klammerten. Das krasseste stand uns aber noch bevor: Bergab gab es Steilstücke mit extrem abfallenden schmalen Trail-Rampen: wurzlig, steinig, sandig-rutschig… manche hingen förmlich „in den Bäumen“. Gestürzt bin ich, wie etliche andere, zum Glück nicht. Nicht nur kurz, sondern kilometerlang ging das so zu. Einige Könner rauschten nur so hinunter und vorbei, aber die waren jünger als ich und bergauf war ich oft wieder vorne. Ein langes Stück mit lose hängenden Bergsteigerseilen ließ uns etwas besser hinunterturnen. Endlich wurde es besser, die zweite Hälfte ging flotter, wenn sie auch nicht einfach zu laufen war. Nach 37,5 km läuft man direkt neben dem Ziel vorbei, muss aber noch zur Burg hinauf, über viele Stufen. Da erwischten mich Krämpfe treppauf. Also am Geländer festhalten und seitwärts überkreuz raufziehen, uff… Durch die Burg, Kopfsteinpflaster bergab ab und unten überglücklich ins Ziel! Gigantische Freude über W65-Einzel-Silber hinter Spaniens Weltklasse-Läuferin.
Der Abschlusslauf am 13.9. war mit 12 km und 400 HM vergleichsweise zahm. Solo gut machbar, aber einige sagten wegen der „wilden“ 40 km vom Vortag ab. Wer da aber pausiert hatte, wie meine beiden deutschen Kolleginnen, war klar im Vorteil. Morgens spürte ich schon auf dem Weg zur Startlinie auch die Belastung der vorigen zwei Rennen, aber es musste irgendwie gehen – gerade für die Teamwertung. Am Start bergab zockelte ich noch etwas hinterher, aber nach der ersten steileren Steigung ging es endlich besser: Aha, da ist eine aus der W65, noch eine … nix wie vorbei – oh, und da vorne die Italienerin! Am steilsten Stück war ich blitzartig vorbei. Weiter, weiter, schneller…hurra, es läuft, es läuft! Ich schnaufte zwar gescheit, aber die Treppen zur Burg rauf waren diesmal ein euphorisches Vergnügen, zwei Stufen auf einmal! Im Ziel war ich 8., meine Kolleginnen 3. und 7. = 18 Punkte. Italien hatte Platz 4, 5 und 9 = 18 Punkte. Bekanntlich zählt bei Punktgleichheit der Platz der dritten Läuferin: (mein) 8. vor dem 9. der Italienerin! Und so feierten wir überglücklich einen fantastischen Abschluss mit unserem zweiten deutschen W65-Team-Gold.
(Gertrud, John)

Gertrud bergab in Aktion; eigene Fotos

Gertrud gewinnt beim Bergmarathon am 12.9.2026 EM-Silber
